Thema Risiko Blutungen

Direkt vorab: Es wird nach der Operation zu Blutungen an den Wundstellen kommen. Die Frage ist in jedem einzelnen Fall nur, ob es eine behandlungsbedürftige Nachblutung oder lediglich eine „rote Stelle“ ist, die bei kleineren Schorfablösungen häufig auftreten, dabei nur gering bluten und vor allem von alleine auch wieder aufhören zu bluten.
Klassische Nachblutungen sind kritisch und unbedingt zeitnah professionell zu versorgen. Als Faustregel gilt, dass Sie lieber einmal zu viel ins Krankenhaus fahren sollten (oder den Krankenwagen rufen). Von einem Fehlalarm ist noch niemand verblutet – von einer zu spät oder nicht behandelten Nachblutung hingegen schon. Dies passiert leider immer wieder und könnte wohl häufig vermieden werden.

Nachblutung

Die Nachblutung ist unter den möglichen Komplikationen die einzig wirklich nennenswerte und tritt in etwas 3-5 % aller Fälle auf. Sie bestimmt jedoch das postoperative Verhalten von 100 % aller Patienten, da dieses in erster Linie darauf ausgerichtet ist, dass es eben zu keiner Nachblutung kommt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Nachblutung ist üblicherweise am 3. bzw. 4. sowie am 7. bis 9. Tag nach der Operation am höchsten (Anmerkung: Als Tag 0 gilt in der Regel der Tag der Operation). Der Grund dafür liegt im Heilungsverlauf der Wunde: Es dauert ein paar Tage, bis sich die bei der OP verödeten Stellen mit dem typischen weißen Schorf bedecken und somit quasi zu einer heilenden Wunde werden. Da Sie in der Regel für 5 Tage im Krankenhaus liegen, ist die erste kritische Phase „abgedeckt“. Bereits nach etwa einer Woche beginnt sich der Schorf zu lösen und kann so leider auch eine Ader freilegen, die dann für die Nachblutung verantwortlich zeichnet. Ab etwa dem zehnten Tag hat sich der Schorf gelöst, und ist die größte Gefahr gebannt. Dennoch ist die neue frische Haut ausgesprochen empfindlich und könnten übermäßige körperliche Belastung oder falsches Essen noch immer zu einer Nachblutung führen.
Wichtig: Als Grundregel gilt daher weiterhin, dass Sie innerhalb von 20 Minuten in einer HNO-Abteilung eines Krankenhauses sein können. Idealerweise wäre dies die Abteilung, in der Sie auch operiert wurden, da man dort am besten über Sie Bescheid weiß. Diese 20-Minuten-Regel gilt pauschal gesagt für die ersten drei Wochen nach der Operation.

Wie erkennen Sie eine Nachblutung? Bei einer Nachblutung tritt merklich Blut aus der offenen Stelle aus. Sie haben dadurch einen Eisengeschmack im Mund. Außerdem ist das Blut tendenziell hellrot und nicht dunkel und geronnen wie bei einer kleinen Blutung, die eher wie ein kleines Rinnsal daherkommt. Je nach Schwere der Nachblutung verlieren Sie schnell und viel Blut, was bei einem Erwachsenen bis zu einem Verlust von etwa 1 Liter noch nicht lebensbedrohlich ist. Wird die Blutung aber nicht gestoppt, ist genau dies bedroht: ihr Leben. Im Halsbereich kann die Blutung unter ungünstigen Umständen auch pulsierend und damit sehr heftig auftreten – in diesem Fall entfällt zumindest die Frage, ob es eine Nachblutung ist.
Auch wenn Sie sich stabil auf den Beinen fühlen, fahren Sie auf keinen Fall selbst, da die Blutung stärker werden kann. Lassen Sie sich umgehend ins Krankenhaus bringen und scheuen Sie sich nicht einen Krankenwagen zu rufen. Genau dafür sind die „Rettungswagen“ schließlich da.
Falls die Blutung nicht sehr stark sein sollte und Sie unsicher sind, ob es nicht doch nur eine „rote Stelle“ ist, legen Sie sich eine sog. Eiskrawatte (länglicher Cool-Pack aus dem Eisfach, den Sie zu Anfang einmal in ein Geschirrhandtuch wickeln) an den Hals und gurgeln Sie mit Eiswasser (ein paar Eiswürfen im Glas mit stillem Wasser bzw. Leitungswasser aufgefüllt). Sollte dies keine Abhilfe schaffen, sollte unbedingt umgehend ein HNO-Arzt draufschauen.

„Rote Stelle“

Bei leichten Blutungen, die häufig eine dünne rote Linie auf dem weißen Wundschorf bilden, sollten Sie beobachten, ob die Blutung stoppt oder vielleicht doch der Beginn einer Nachblutung ist. Wenn Sie bedenken, dass schon unmittelbar nach der Operation Nahrung an der Wunde vorbei geführt wird und dies sogar das Ziel hat, den Wundschorf stetig abzutragen, verwundert es eigentlich auch nicht, dass es zu kleineren Blutungen kommen wird. Diese sind daher absolut normal und auch kein Grund zur Sorge – wirklich. Ein paar Dinge können Sie aber tun, um das Stoppen der Blutung zu unterstützen: 
Legen Sie eine Eiskrawatte an, wodurch sich die Gefäße im Halsbereich verengen. Die gleiche Wirkung hat das sanfte Gurgeln mit Eiswasser. Am besten setzen Sie sich dazu ruhig im Bett hin und halten den Oberkörper aufrecht. Würden Sie sich flach hinlegen, könnte das Blut – sofern es doch eine Nachblutung ist – unbemerkt hinter der Zunge in den Hals laufen. Sie hätten dann nicht mehr den Indikator „Eisengeschmack im Mund“. Schauen Sie hin und wieder in den Spiegel wie die Stelle aussieht – für mich was der Blick in den Spiegel in erster Linie zur eigenen Beruhigung da. Meist verschwindet die rötliche Linie durch das Gurgeln komplett und kommt auch nicht wieder, was ein klares Zeichen dafür ist, dass es eben nur eine „rote Stelle“ war.

Meine persönliche Erfahrung:
Mein HNO-Arzt hatte mir vorher gesagt, dass ich es schon merken würde, falls es zu einer Nachblutung kommen sollte und genau so war es. Am 9. Tag nach meiner OP trat am späten Abend eine Nachblutung auf. Ich hatte lauwarmes Karottenpüree gegessen und kühles stilles Wasser getrunken. Ein Gericht, das als Auslöser absolut unverdächtig ist. Etwa eine Stunde nach dem Abendessen hatte ich einen „komischen Geschmack“ im Mund. Beim Blick in den Spiegel sah ich, dass die Mundhöhle vom Blut rot war und dies definitiv kein kleines Rinnsal war. Etwa 20 Minuten später war ich dann auch schon in der Notaufnahme und keine Stunde später im OP. Die richtige Blutung setzte zum Glück erst vor Ort ein, als der Arzt versuchte die Blutung ambulant zu stillen. Jedoch lag die offene Stelle ungünstig an der rechten unteren Wundstelle, so dass eine vernünftige Behandlung nur unter Vollnarkose möglich war. Die Stelle wurde dabei umnäht und zusätzlich verödet. Außerdem wurde das geschluckte Blut aus dem Magen gepumpt. Da die „frische OP“ für die versorgte Stelle wieder als Tag 0 gilt, war eine erneute Beobachtungsphase im Krankenhaus erforderlich, sprich ich lag erneut für 4 Nächte in der Klinik. Erfreulicherweise blieb es dann bei dieser einen Nachblutung. Die Wahrscheinlichkeit für eine zweite Nachblutung ist äußerst gering, aber auch hier gilt, dass jeder Heilungsverlauf seine eigenen Regeln hat …

Denken Sie daran, dass die Wahrscheinlichkeit für eine behandlungsbedürftige Nachblutung mit rund 4 % doch eher gering ist. Lediglich jeder 25. ist also betroffen und bei einer rechtzeitigen Behandlung in einer HNO-Abteilung wissen die Ärzte genau was zu tun ist.
Bei Kindern ist die Wahrscheinlichkeit sogar noch geringer, da die Wundstelle kleiner ist und die Heilung insgesamt schneller verläuft. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit bei Erwachsenen signifikant höher liegen muss, um so im Mittel wieder auf die 3 – 5 % zu kommen. Insbesondere auch deshalb, weil wesentlich mehr Kinder als Erwachsene operiert werden. Unter der Annahme, dass 80 % aller Patienten Kinder unter 10 Jahre sind und bei diesen die Wahrscheinlichkeit nur bei 2 % liegt, läge die statistische Wahrscheinlichkeit für eine Nachblutung bei den verbleibenden 20 % der Erwachsenen bzw. Jugendlichen über 10 Jahre, rechnerisch bei rund 12 %, um so im Gesamtschnitt auf eine Zahl von 4 % zu kommen. Auch für Erwachsene ist die Chance also eher gering, aber Sie sollten unbedingt wissen was im Fall der Fälle zu tun ist und vorab – rein präventiv – mal durchgespielt haben, wie Sie in die HNO-Abteilung kommen, bzw. den Notruf tätigen.