Die ersten Tage nach der OP

Die kommenden Tage im Krankenhaus sind hinsichtlich Ihres Befindens allesamt recht unterschiedlich. Ich würde die (meist) fünf Tage im Krankenhaus in drei Blöcke einteilen:

Tag 0: Der Tag der OP selbst
Offen gesprochen ist von diesem Tag nur wenig in Erinnerung geblieben. Geplante Operationen wie die Tonsillektomie werden normalerweise am Vormittag vorgenommen, so dass der Morgen in erster Linie durch das Warten auf die OP, die Vorbereitungsphase und dann die OP selbst geprägt ist. Die OP mitsamt Einleitung und Aufwachphase dauert wie gesagt rund eine Stunde. Die Narkose wirkt dann den ganzen Tag noch nach und ich habe über den Tag verteilt viel geschlafen bzw. gedöst. Gegen Abend gab es das erste Mal etwas zu essen und damit sind Sie dann auch eine ganze Weile beschäftigt. Gegen 21 Uhr war der Tag auch schon zu Ende und die Augen fielen mir zu. Schmerzen hatte ich quasi keine und erfreulicherweise auch keine durch die Narkotika verursachte Übelkeit. Die ersten Stunden nach der OP fühlten sich eher wie nach einem leichten Kater nach einer durchfeierten Nacht an (träge, benommen, schläfrig, schlapp, … )

Tag 1 und Tag 2: Wurde überhaupt operiert?
An den beiden ersten Tagen nach dem OP-Tag geht es Ihnen – üblicherweise – ziemlich gut. Man hat fast das Gefühl, dass überhaupt kein Eingriff vorgenommen wurde. Lediglich beim Essen spüren Sie, dass wohl doch etwas anders ist als zuvor. Besuch funktioniert an diesen beiden Tagen besonders gut, aber es schadet nicht, wenn Sie sich immer wieder vor Augen halten, dass Sie frisch operiert sind. Die Stimme klingt sehr kehlig und es fühlte sich ein wenig so an, als würde permanent der Mund halb offenstehen. Wichtig: An diesen Tagen „fesselt“ Sie kein Schmerz oder extreme Schlappheit ans Bett, daher mein Rat, sich hier nicht zu überschätzen – auch wenn Sie das Gefühl haben, dass es Ihnen eigentlich doch recht gut geht.

Tag 3 und Tag 4: Der Heilungsprozess beginnt – und ebenso beginnen die Schmerzen
Die Tage 3 und 4 unterscheiden sich zu den beiden Vortagen dadurch, dass Sie merklich geschwächt sind. Im Hals pocht es zunehmend und Sie sind sich eindeutig im Klaren darüber, dass Sie aktuell Patient sind. Die Schmerzen lassen sich zwar mit den verabreichten Schmerzmitteln gut kontrollieren, aber an der Schlappheit ändert dies nichts. Vermutlich ist dies ein recht praktischer Selbstschutz, damit Sie sich schonen und im Bett bleiben. In diesen Tagen war ich daher auch dankbar, dass weniger Besuch kam (es war ein Montag und ein Dienstag). Im Hals sah man zudem erste Fortschritte, da der Wundschorf an den ersten Stellen schon etwas dünner wurde. Leider war die Einnahme von Essen weiterhin nicht ganz einfach und ich hatte das Bedürfnis nach jedem gut gekauten Bissen einen Schluck lauwarmen Tee oder stilles Wasser zu trinken, um Speisereste direkt von der Wundstelle wegzuspülen.

Mein Tipp: Betreiben Sie proaktiv „Besucher-Erwartungsmanagement“
Besuch im Krankenhaus ist toll – zu viel Besuch ist anstrengend. Dies liegt vor allem daran, dass Ihnen das sprechen nicht ganz leicht fallen wird. Falls Ihr Aufenthalt in der Klinik ein Wochenende einschließt, können Sie damit rechnen, dass Sie hier die meisten Besucher haben werden. Dosieren Sie Ihre Kräfte schon beim ersten Besuch – so haben Sie noch genug „Stimme“, wenn die letzten Gäste gegen Abend kommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich war, Besucher zu bündeln und zwischen den Besucherblöcken kleine Pausen zu haben. Alle Besucher haben letztlich – ohne dass das abwertend klingen soll – die gleichen Fragen und wenn Sie mit schmerzender Stimme zum fünften Mal berichten, wie die Narkosewirkung eingesetzt hat, dann ist damit keinem geholfen. Sie sind der Patient und auch wenn der Besuch lieb gemeint ist, kommunizieren Sie freundlich aber bestimmt, was Ihnen gut tut und was nicht. Vielleicht sind manche Besucher sogar ganz froh, wenn Sie nicht allzu lange im Krankenhaus sein müssen … auch dafür hätte ich Verständnis.